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Reisen im 9-Euro-Land

Düsseldorf/Deutschland. Wir haben die Probe aufs Exempel gemacht und in diesem Urlaub aufs Auto verzichtet. Wie steht es um das Reisen mit Bus und Bahn? Sind die Züge wirklich überfüllt? Hält der ÖPNV dem Ansturm durch das 9-Euro-Ticket stand?


Auch auf Sylt gilt das 9-Euro-Ticket. (Foto: Opfermann)

Nein, ich habe mir nicht das 9-Euro-Ticket gekauft. Als Abonnent eines Ticket-1000 hat die Rheinbahn automatisch den Abopreis angepasst. Die Reise nach Hamburg beginnt schon mal schlecht. Der Verflixt-Train nach Hamburg fällt einfach aus. Die Nachricht kommt am Nachmittag vor dem Reisetag per E-Mail. Nun muss ich doch noch bei der Deutschen Bahn für 59,90 statt 19,90 Euro ein Ticket lösen. Keine Empfehlung für die Konkurrenz der Deutschen Bahn.


Am Reisetag fährt am gleichen Bahnsteig der Flixtrain nach Berlin Süd ab, aber eben nicht der nach Hamburg. Der gebuchte IC kommt dann 15 Minuten zu spät. Der Zug wird ab Münster recht voll. Gut, dass ich einen Sitzplatz reserviert habe. Die Wagen sind die klassischen IC-Wagen aus den 1980er-Jahren, die vor zehn Jahren modernisiert wurden. WLAN gibt es zwar, aber keine Ladebuchsen fürs Smartphone.


In Hamburg lassen sich die öffentlichen Verkehrsmittel einfach mit dem Ticket-1000 nutzen. Schön, wenn man am Ziel nicht am Ticketautomaten erst den richtigen Preis ermitteln muss und unbegrenzt fahren kann. Da hat das 9-Euro-Ticket wirklich seinen Vorteil im Tarifdschungel.


Vor der Gluthitze in Hamburg flüchte ich an die Nordsee. Mit dem Regionalexpress geht es auf die Insel Sylt. Auch hier gilt das 9-Euro-Ticket. Da ich einen frühen Zug genommen habe, gibt es genügend freie Sitzplätze. Außerdem läuft am Sonntag eher der Rückreiseverkehr von der Insel.


Regionalexpress nach Westerland. (Foto: Opfermann)

Auf der Insel kann man die Busse der Sylter Verkehrsgesellschaft (SVG). ebenfalls mit dem 9-Euro-Ticket nutzen. Das mache ich auch in den nächsten Tagen und erlebe vollbesetzte Busse, die an meiner Haltestelle einfach vorbeifahren. Oder Busse fallen einfach aus. Und weil es auch auf Sylt schwülwarm ist, schimpfen viele Fahrgäste über fehlende Klimaanlagen in den Bussen. In den Sommermonaten sei ein erhöhtes Fahrgastaufkommen normal, bestätigt eine Sprecherin der SVG. Aber natürlich sei die derzeitige Auslastung eine Folge des 9-Euro-Tickets.


Hippies, die in der Fußgängerzone von Westerland um Geld betteln und abends am Strand abhängen, verstimmen die Insulaner. Aber auch Tagestouristen wie die Gruppe von Senioren am ZOB Westerland sorgen für volle Busse. "Alle haben das 9-Euro-Ticket. So is dat halt", kommentiert eine ältere Dame die Warteschlange an der Haltestelle. Die Fahrt soll von Westerland nach Hörnum und danach noch nach Hörnum gehen. Über den Einkaufswunsch einer Seniorin witzelt ein Mitreisender: "Extra zum Shopping nach Sylt."

Eine Familie plant gerade den Tag. "Vielleicht fahren wir nach Dänemark rüber? Ah, da gilt ja nicht das 9-Euro-Ticket."


Am Freitag geht es zurück mit dem IC als Direktverbindung von Westerland nach Düsseldorf. Hier konnte ich das Leben in vollen Zügen genießen. Der Zug startet mit 7 Minuten Verspätung, weil die Reinigung und Bereitstellung des Zuges länger gedauert hat. Wegen einer Störung in der Bordelektronik gibt es im Bistrowagen leider keine heißen Getränke oder Speisen. Also fällt der Kaffee flach.

Hamburg erweist sich als Nadelöhr. Vorm Bahnhof Dammtor muss der Zug warten, weil noch ein anderer Zug vor uns ist. Zwischen Hamburg Hauptbahnhof und Harburg wird der IC wegen einer Baustelle für Nahverkehrskunden freigegeben.

In Bremen müssen wir schließlich über eine geschlagene Stunde auf den Personalwechsel warten. Im Bistrowagen gibt es kein Essen und keine Getränke mehr, aber wenigstens wird Mineralwasser in den Zug gebracht. Zu allem Unglück gibt es dann noch eine Weichen- und Oberleitungsstörung, die unseren Zug in Syke festhält. Eine Schulklasse, die nach Osnabrück muss, ist verständlicherweise genervt wegen der langen Warterei. Mit 165 Minuten Verspätung erreicht der IC dann endlich Osnabrück. Für die SchülerX hat hier die Fahrt ein Ende. Ich muss allerdings noch weiter nach Düsseldorf. Am Ende hat der Zug 176 Minuten Verspätung! Das soll das moderne Bahnland Deutschland sein? Spaß aufs Umsteigen kommt bei solchen Reiseerlebnissen jedenfalls nicht auf.












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