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Viel Lärm um Kraftwerk

Aktualisiert: 11. Dez. 2021

Düsseldorf, 9. Dezember 2021. Seit heute ist im Kunstpalast die Ausstellung „Electro. Von Kraftwerk bis Techno.“ eröffnet. Düsseldorf und die Gruppe Kraftwerk bilden darin einen Schwerpunkt.


Die Roboter-Figuren von Kraftwerk. (Foto: Opfermann)

Es ist die lauteste und schrillste Ausstellung im Kunstpalast. Hier gibt’s ordentlich was auf die Ohren. Schon beim Betreten der Ausstellung empfangen die Besucher:innen Techno-Beats. Mit mehr als 120 Beats pro Minute gibt die elektronische Musik weltweit das Tempo auf den Tanzflächen vor. Die Musik ist allerdings bei etwa 80 Dezibel gepegelt.

Felix Krämer. Kunstpalast-Generaldirektor sieht zwischen Kunst und der Musik-Ausstellung keinen Widerspruch: „Der Kunstpalast hat Musik und Kunst in seiner DNA eingeschrieben.“ Er verweist auf die Veranstaltungen im Robert-Schumann-Saal und auf das Kraftwerk-Konzert zur Tour de France 2017 im Ehrenhof.


Blick von oben in die Ausstellung. (Foto: Opfermann)

Nach Paris und London zeigt sich die Ausstellung in Düsseldorf nun mit neuen Inhalten. Die Ausstellung bringe Schwung in die Kiste, sagt Co-Kurator Alain Bieber, Künstlerischer Leiter des NRW-Forums. Das sei auch ein kleines Hoffnungszeichen, wo Clubs wieder schließen mussten. Bieber hat die Ausstellung um regionale Aspekte erweitert. Einen breiten Raum nimmt daher die Gruppe Kraftwerk ein. Die Ausstellung entstand in enger Zusammenarbeit mit Kraftwerk-Mitgründer Ralf Hütter. Legendäre Clubs wie Ratinger Hof oder Creamcheese, aber auch die Kunstakademie und der Salon des Amateurs waren oder sind bis heute pulsierende Orte in Düsseldorf für Veranstaltungen mit elektronischer Musik. Und die Fans warten sehnsüchtig auf das verschobene Kraftwerk-Konzert, das nun 2022 nachgeholt werden soll.


Kurator Jean-Yves Leloup, Musée de la musique – Philharmonie de Paris bezeichnet die Ausstellung als ein audiovisuelles Event, das die Entwicklung der elektronischen Szene von der Avantgarde in den 1950er- und 1960er Jahren bis heute zeigt.

Disco-Kugel Schädelform. (Foto: Opfermann)

Die Ausstellung ist nicht nur ein Ohrenschmaus, sondern auch eine Augenweide. Ein freundlicher Smiley begrüßt die Besucher:innen am Anfang der Ausstellung. Im ersten Teil der Ausstellung werden Apparate und Maschinen von den Anfängen des 20. Jahrhunderts bis heute gezeigt. Auf Synthesizern, Samplern und Computersoftware werden elektronische Signale erzeugt, die Klangfrequenzen erzeugen. Teile des WDR-Studios für elektronische Musik in Köln, in dem Karlheinz Stockhausen als Pionier der E-Musik wirkte, sind auch zu sehen. In den frühen 1970er-Jahren bezogen sich Bands wie Tangerine Dream und Kraftwerk auf die Errungenschaften des WDR-Studios. House- und Techno-Musik führten in den 1980er-Jahren neue elektronische Klanglandschaften ein. Durch die erste Loveparade 1989 und die wachsende Rave- und Club-Kultur wurde elektronische Musik zu einer weltweiten künstlerischen Bewegung.



Unter dieser Installation verbirgt sich der Eingang zum Forum. (Foto: Opfermann)


Der nächste Teil ist Kraftwerk gewidmet. Durch einen im Dunkel kaum wahrnehmbaren schwarzen Vorhang gelangen wir ins Forum, in dem auf dem Bildschirm Projektionen in 3D zu acht Titeln von Kraftwerk laufen. Natürlich fehlt auch nicht der Titel „Die Roboter“ aus dem Album Mensch-Maschine. Dabei geht der Surround-Sound nicht nur in die Ohren, sondern auch in die Glieder. Unbewusst beginnen die Füße im Takt zu wippen. Am liebsten möchte man lostanzen.


3D-Erlebnis mit Kraftwerk. (Foto: Opfermann)

So eingestimmt geht es weiter zu den Orten der Techno-Szene: Chicago, Detroit und Berlin, Manchester und Offenbach. Fotografien zeigen tanzende Menschenmengen in Clubs oder bei Raves auf der Tanzfläche – dem Dancefloor. Eine Auswahl an Grafiken präsentiert das Clubdesign, um Gäste anzulocken. Das Design soll den Charakter des Clubs und und der dort gespielten Musik widerspiegeln. Die Fotografien von Christopher Woodstock fangen die Vorliebe der DJs für Schallplatten ein. Der Raum mit Arbeiten von Andreas Gursky zeigt eine Auswahl seiner Werke. Der Düsseldorfer Künstler ist ein langjähriger Begleiter der Techno-Szene.


Die Masken von Daft Punk. (Foto: Opfermann)

Wir verlassen die Ausstellung durch den Raum, der mit "Künstliche Intelligenz" überschrieben ist. Liegt die Zukunft darin, dass Computer bald selbst Musik komponieren? Zusätzlich zu den Wandtexten gibt es an den Stationen audiovisuelle Informationen. Über Kopfhörer kann man diese anhören. Laurent Garnier hat einen Soundtrack zur Ausstellung gemixt. Der französische DJ und Musiker hat elf Playlisten produziert – von der New Yorker Disco-Ära in den 1970ern bis zum Techno der 2020er-Jahre.


Beim Verlassen des Museums klingt der Sound in den Ohren nach und zuhause suchst du deine CDs mit Techno-Musik heraus oder suchst auf Youtube nach weiteren Stücken.


Spektakuläre Lichtshow auf der Tonhalle

Eine Musik- und Lichtshow auf der Tonhalle setzt zum Start einige Titel der Gruppe Kraftwerk in Szene. Die Show wird täglich von 17 Uhr bis 21.30 Uhr zu sehen sein. Sie ist 15 Minuten lang und wird nach einer Pause wiederholt. Bester Standort für Zuschauer ist der Innenhof des Ehrenhofs vor dem NRW-Forum. Dort wird die Musik abgespielt. Die spektakuläre Show läuft bis zum 18. Dezember.


Die Ausstellung läuft noch bis zum 15. Mai 2022 im Kunstpalast. Dienstag bis Sonntag, 11 bis 18 Uhr, Donnerstag 11 bis 21 Uhr, montags geschlossen.


Zur Ausstellung erscheint ein ca. 100 Seiten umfassender Katalog mit zahlreichen Abbildungen, mit einem Vorwort von Felix Krämer und Texten von Alain Bieber und anderen.

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