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Trübe Aussichten fürs Handwerk


Zum Jahresauftakt 2024 sieht sich das nordrhein-westfälische Handwerk mit erheblichen wirtschaftlichen Herausforderungen konfrontiert und ruft die Politik dazu auf, die Standortbedingungen drastisch zu verbessern. In einer Pressekonferenz von HANDWERK.NRW am 12. Januarin Düsseldorf äußerte Handwerkspräsident Andreas Ehlert die Dringlichkeit, die Strukturkrise in Deutschland anzugehen. Deutschland stecke laut Ehlert in einer Krise, die durch Probleme in der Energieversorgung, marode Infrastruktur, belastende Bürokratie und ungelöste Staatsverschuldung geprägt sei. Insbesondere in Nordrhein-Westfalen bündelten sich viele dieser Herausforderungen, stellte er fest.


NRW-Handwerkspräsident Andreas Ehlert. (Foto: Opfermann)

Die Konjunktur im nordrhein-westfälischen Handwerk zeigt zu Beginn des Jahres 2024 einen deutlichen Abwärtstrend. Branchenübergreifend, von Bau und Ausbau über Gewerblichen Bedarf, Kfz-, Lebensmittel- und Gesundheitshandwerk bis zu personenbezogenen Dienstleistungen, haben die Indexwerte für das Geschäftsklima bei den Herbstumfragen 2023 der sieben nordrhein-westfälischen Handwerkskammern teils erheblich nachgelassen. Insbesondere im Baugewerbe, das mit den Auswirkungen der Zinsdynamik und einem Rückgang der Baugenehmigungen für Wohnungen konfrontiert ist, fiel das Konjunkturbarometer um 19 Prozentpunkte.


Der Mitarbeiterbestand im Handwerk verzeichnete 2023 einen Rückgang von 0,7 Prozent (1. Quartal) bis 1,2 Prozent (3. Quartal) gegenüber dem jeweiligen Vorjahreszeitraum in 2022. Der Handwerksverband geht davon aus, dass bis zum Jahresende 2023 ein Rückgang um 1 Prozent zu verzeichnen sein wird, was einer Beschäftigung im NRW-Handwerk von derzeit 1,16 Mio Menschen entspricht.


Für das Jahr 2024 prognostiziert Handwerk.NRW eine Halbierung des Umsatzwachstums auf nur noch +3 Prozent (nominal, preisbereinigt: -2 Prozent) und einen weiteren linearen Rückgang des Personalbestands um 1 Prozent.


Energieversorgung als zentrales Problem

Als besonders dringend bezeichnete der Präsident eine bezahlbare und sichere Energieversorgung für die gesamte Wirtschaft. Subventionen, insbesondere unter dem Stichwort Industriestrompreis, seien seiner Ansicht nach der falsche Weg, um das Problem der Energieknappheit zu lösen. Er betonte, dass ein Braunkohleausstieg erst möglich sei, wenn ein klimafreundliches Energieangebot als Alternative verfügbar sei. „Wir drohen an den ehrgeizigen Zielen der Transformation zu scheitern“, erklärte Ehlert. Die Mobilitäts- und Wärmewende benötige künftig noch mehr Strom, daher sei eine realistische Strategie gefordert.


Baukonjunktur als Sorgenfaktor

Besondere Sorgen bereitet dem Handwerk die Baukonjunktur, die etwa die Hälfte der handwerklichen Umsätze ausmacht. Der Präsident forderte Maßnahmen, die das Bauen einfacher und preiswerter gestalten, darunter schnellere Genehmigungsverfahren, einfachere Standards und weniger Belastung durch Abgaben. Konkret sprach er sich für eine Absenkung der Grunderwerbsteuer in Nordrhein-Westfalen und gegen die geplante Rohstoffabgabe aus.


Staatliche Finanzpolitik und klare Forderungen

Ehlert mahnte zudem den Staat, die Flucht in die Verschuldung zu stoppen. Die Einnahmen des Staates sprudelten üppig wie nie, dem stünden aber immer weiter ansteigende Staatsausgaben gegenüber. Er argumentierte, dass Verschuldung langfristig zu Inflation oder massiven Zinsbelastungen führe und damit Zukunftsinvestitionen gefährde. Der Abbau von Subventionen und Bürokratie sei daher nötig.


In Bezug auf konkrete Forderungen an die Landespolitik äußerte der Handwerkspräsident den Wunsch nach einer Stärkung der Clearingstelle Mittelstand, einer zügigen Weichenstellung für die Wärmeplanung und einer völligen Gleichwertigkeit von akademischer und beruflicher Bildung.


Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass bereits die Bilanz des Jahres 2023 kritisch ausfiel und sich das Konjunkturklima im Handwerk weiter eintrübt. Die politischen Forderungen sind dementsprechend hoch.

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